Hinter fast jedem Immobilienverkauf steht eine persönliche Geschichte, die weit über Quadratmeterpreise und Grundbuchauszüge hinausgeht. Besonders wenn einschneidende Lebensereignisse wie eine Erbschaft, eine Trennung oder die altersbedingte Veränderung der Lebensumstände den Anstoß geben, wird die Veräußerung eines Hauses oder einer Eigentumswohnung zu einer emotionalen Herausforderung. In einem hart umkämpften Markt wie Leipzig und dem mitteldeutschen Umland kommt es dann auf weit mehr an als auf reine Vertriebspower. Gefragt sind Diskretion, ein feines Gespür für familiäre Dynamiken und eine absolut ehrliche Beratung. Wir haben mit Frank Thierfelder, geschäftsführendem Gesellschafter der Paulick Thierfelder Immobilien GmbH, darüber gesprochen, wie sein Team Eigentümer in schwierigen Übergangsphasen begleitet, warum künstliche Traumpreise dem Verkäufer schaden und weshalb Kollegialität unter Wettbewerbern ein echter Gewinn für den Kunden ist.
Redaktion: Herr Thierfelder, in der Immobilienbranche wird oft sehr laut über Renditen und schnelle Abschlüsse gesprochen. In Ihrer täglichen Praxis begegnen Ihnen aber vor allem Menschen, für die ein Verkauf mit emotionalen Ausnahmesituationen verknüpft ist. Welche Rolle spielen Themen wie Erbschaften oder Scheidungen in Ihrem Alltag?
Frank Thierfelder: Das sind in der Tat die Momente, in denen unser Beruf eine tiefe gesellschaftliche und menschliche Verantwortung bekommt. Eine Erbschaft oder eine Scheidung bedeutet für die Betroffenen fast immer eine fundamentale Umbruchphase im Leben. Bei einer Erbengemeinschaft treffen oft unterschiedliche Generationen und Lebensentwürfe aufeinander, bei einer Trennung stehen verletzte Gefühle im Raum. In beiden Fällen ist das gemeinsame Immobilieneigentum plötzlich der Dreh- und Angelpunkt, an dem sich Konflikte entzünden können. Wir versuchen, an diese sensiblen Dinge sehr vorsichtig und mit großem Respekt heranzugehen. Uns geht es in erster Linie darum, den emotionalen Druck aus der Situation zu nehmen. Wir erleben oft, dass wir zunächst als Mediatoren gefragt sind, um überhaupt eine sachliche Gesprächsgrundlage zwischen den Parteien herzustellen. Erst wenn alle Beteiligten das Gefühl haben, gehört und fair behandelt zu werden, kann ein strukturierter und für alle Seiten erfolgreicher Verkaufsprozess beginnen.
Redaktion: Wie unterscheidet sich Ihre Herangehensweise in solchen Momenten von der Konkurrenz? Versucht man da manchmal, die Dinge auch mit etwas Humor aufzulockern?
Frank Thierfelder: Tod und Scheidung sind natürlich zutiefst ernste und sensible Angelegenheiten, das verbietet jedes laute Marketing. Aber in der direkten, persönlichen Betreuung versuchen wir durchaus, wenn es die Situation erlaubt, die Dinge auch mal etwas leichter oder zumindest nahbarer anzugehen, um die lähmende Schwere zu vertreiben. Wir verpacken unsere Beratung so, dass sich die Menschen aufgehoben fühlen. Das gelingt uns, weil wir als Team sehr authentisch und im besten Sinne familiär miteinander umgehen. Wir sind keine anonymen Vermittler, die nach Schema F vorgehen. Wenn bei uns ein Kunde anruft, spricht er mit Menschen, die im Leben stehen und die diese Situationen aus eigener Erfahrung oder jahrzehntelanger Berufspraxis kennen. Diese persönliche Nähe schafft Vertrauen, und genau dieses Vertrauen ist das wichtigste Fundament, um solche sensiblen Prozesse geräuschlos und diskret abzuwickeln.
Redaktion: Ein zentraler Punkt vor jedem Verkauf ist die Wertermittlung. Gerade in schwierigen Lebenslagen klammern sich Eigentümer verständlicherweise an jede finanzielle Sicherheit. Wie transparent können Sie in einem dynamischen Markt wie Leipzig agieren?
Frank Thierfelder: Transparenz und absolute Ehrlichkeit sind für uns unverhandelbar. Wir sind in unseren Einschätzungen sehr bodenständig, sehr konservativ und vor allem sehr realistisch. Es nützt einem Verkäufer überhaupt nichts, wenn man ihm im Erstgespräch das Blaue vom Himmel erzählt und einen utopischen Fantasiepreis nennt, nur um den Auftrag zu ergattern. Wenn die Immobilie dann monatelang wie Blei am Markt liegt und letztlich unter Wert verbrannt wird, hat der Kunde den Schaden. Unser Ziel ist eine fundierte, marktgerechte Bewertung vom ersten Tag an. Durch unsere zehnjährige exklusive Kooperation mit der Leipziger Volksbank und unser dichtes Netzwerk in den Landkreisen Nordsachsen und Leipzig verfügen wir über eine Daten- und Marktkenntnis, die ihresgleichen sucht. Wir wissen genau, was in Torgau, Frohburg oder in den Leipziger Stadtteilen tatsächlich realisiert werden kann. Diese Expertise schützt unsere Kunden vor Enttäuschungen.
Redaktion: Sie sprachen eben den Leipziger Markt an. Wie intensiv erleben Sie den Wettbewerb vor Ort, beispielsweise im Vergleich zu anderen sächsischen Städten wie Dresden?
Frank Thierfelder: Man muss ganz klar sagen: Leipzig ist, was Immobilien betrifft, noch einmal ganz anders unterwegs. Wir haben hier in Leipzig einen deutlich intensiveren Wettbewerb als in Dresden. Die Stadt hat eine enorme Anziehungskraft und eine sehr hohe Dichte an Maklerunternehmen. Es gibt viele Namen, die ihre Arbeit auf ihre Weise gut machen. Für uns ist dieser starke Wettbewerb aber kein Grund zur Sorge, sondern ein Ansporn. Wir wissen genau, wo unsere Stärken liegen. Wir punkten mit unseren Werten, unserer langen Tradition am Markt und der engen Bindung zu unseren Auftraggebern. Wir müssen uns nicht neu erfinden, sondern wir untermauern unsere Spitzenposition durch kontinuierliche Qualität und messbare Kundenzufriedenheit.
Redaktion: Sie pflegen zu einigen Mitbewerbern ein bemerkenswert kollegiales Verhältnis. Wie passt das in ein so hart umkämpftes Umfeld?
Frank Thierfelder: Das ist für uns überhaupt kein Widerspruch. Wir haben am Markt tatsächlich so etwas wie Best Buddies – also Kollegen von anderen Unternehmen, mit denen wir uns sehr gut verstehen und mit denen wir auch gerne mal ein Projekt gemeinsam anpacken. Uns ist wichtig, dass man sich im Wettbewerb nicht wehtut, sondern sich mit Respekt begegnet. Am Ende steht immer das Wohl des Kunden im Vordergrund. Wenn wir beispielsweise aus Kapazitätsgründen oder aufgrund einer extremen geografischen Distanz einen Auftrag selbst nicht in der gewohnten Qualität ausführen könnten, hätte ich überhaupt kein Problem damit, den Kunden an einen dieser geschätzten Kollegen zu empfehlen. Ich möchte einfach das absolute Vertrauen haben, dass ein Auftraggeber dort genauso gut aufgehoben ist wie bei uns. Diese Philosophie der Fairness tut dem gesamten Markt gut und stärkt letztlich das Ansehen unserer gesamten Branche.
Redaktion: Ihr Kerngebiet ist die Region Leipzig, aber Sie werfen im Transaktionsgeschäft auch regelmäßig einen Blick in die Fläche Mitteldeutschlands. Welche Opportunitäten bieten sich abseits der großen Oberzentren?
Frank Thierfelder: Wenn wir eine enge Bindung zu unseren Auftraggebern haben und sie unsere Arbeit schätzen, gehen wir sehr gerne über Leipzig hinaus. Neben den bekannten Oberzentren wie Halle, Dresden, Chemnitz, Erfurt, Jena oder Magdeburg schauen wir gezielt in die Fläche, wenn die soziodemografischen Faktoren positiv sind. Ein hervorragendes Beispiel dafür ist eine Transaktion, die wir vor zwei Jahren in Görlitz abgewickelt haben. Dort konnten wir auf der Berliner Straße zwei sehr interessante Objekte an ein lokales Family Office vermitteln. Das waren echte Opportunitäten mit einem Quadratmeterpreis von rund fünfhundert Euro im durchsanierten Zustand. Der Anleger ist bis heute super happy mit diesem Investment. Aktuell haben wir beispielsweise wieder drei Objekte in Görlitz in einem Gesamtportfolio, die nun herausgelöst und platziert werden sollen. Solche Beispiele zeigen, dass unser Netzwerk für nationale Kunden hervorragend funktioniert und wir auch in kleineren Städten in der Fläche sehr erfolgreich akquirieren können.
Redaktion: Ein so breites Spektrum vom privaten Hausverkauf bei einer Scheidung bis hin zu bundesweiten Portfolio-Transaktionen erfordert viel Erfahrung. Wie sichern Sie diese Kompetenz langfristig?
Frank Thierfelder: Die Basis ist unser enormer kollektiver Erfahrungsschatz. Mein Partner Uli Paulick bringt fast fünfzig Berufsjahre mit in die Waagschale, ich selbst stehe mittlerweile im dreißigsten Berufsjahr. Das ist ein Fundament, das man nicht künstlich erzeugen kann. Gleichzeitig ruhen wir uns auf diesem Wissen nicht aus. Wir bilden junge Leute in unserem Unternehmen intensiv selbst aus und führen sie an unsere Werte heran. Diese Mischung aus der abgeklärten Weisheit der älteren Semester und der Dynamik der jüngeren Generation macht uns extrem leistungsfähig. Wir verknüpfen bewährte, traditionelle Tugenden mit moderner Marktbearbeitung. Unser Ziel für die Zukunft ist es, diese Stärken noch breiter auszuspielen, unsere Marktdurchdringung weiter zu erhöhen und die nächste Stufe im Unternehmenswachstum zu zünden.
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